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Griffig versus abgegriffen: Sprachklischees

Worum geht es in dieser Blogreihe?

In den Blogposts der Kategorie "Phrasen" geht es um Formulierungen, die wir bereits oft gelesen und gehört haben.  Wenn diese in Prosa im Text (nicht in der wörtlichen Rede) vorkommen, stört die einige Lesende. Es stört nicht alle. 

 

Ich möchte hier Beispiele zeigen, die ich in Romanen gefunden habe und kurz die Wirkung beschreiben, die das auf mich hatte. Außerdem recherchiere ich, woher die Redewendung kommt und ggf. zeigt das auch, wie alt die Wendung bereits ist.

 

Eine kurze Umfrage bei Twitter zu zwei ausgewählten Phrasen zeigt,  dass längst nicht alle Lesenden sich daran stören. Einige finden es akzeptabel oder lesen es sogar gern. Ich habe mal mit zwei Phrasen eine Twitter-Umfrage gestartet:

"Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer"

"Ihr platzte der Kragen"

Einige mögen das zwar gar nicht und würden gern Texte lesen, die völlig frei davon sind. Vielen ist das aber eher lieber als völlig unpassender Vergleich. Dem würde ich zustimmen. Manchmal fände ich es im Zweifel aber besser, einfach zu schreiben:

Die Nachricht verbreitete sich rasch.

Bzw. 

"Sie würde wütend"

Auch wenn ich vor allem dem zweiten Beispiel "Show don't tell" vorwerfen kann, doch immerhin ist es kein abgegriffenes Sprachklischee, und "Ihr platzte der Kragen" ist ja ebenfalls mehr behauptet als gezeigt.

 

Ob man sie verwenden möchte, muss letzt endlich jede:r von uns selber wissen. In wörtlicher Rede oder bei Ich-Erzähler:innen kann das sehr gut zum Charakterisieren beitragen. 

 

Kinderbücher

Ein besonderes Beispiel sind Kinder. Kinder kennen oft solche Wendungen noch gar nicht und finden es toll, diese zu lernen. Griffige, aber oft verwendete Sätze wie:

"Das Blut gefror ihm in den Adern." und "Er blieb wie angewurzelt stehen." erfüllen sie mit Begeisterung und wenn etwas vorkommt wie "da kannst du Gift drauf nehmen" fragen sie nur, was das bedeuten soll und nehmen es in den Sprachschatz auf.

Daher würde ich bei Kinderliteratur andere Maßstäbe ansetzen.

 

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